Linde

Tilia platyphyllos
Scop.
Malvaceae
Malvengewächse
Sommer-Linde

Die Sommerlinde ist ein laubwerfender Baum Mittel- und Südeuropas, der bis zu 40 m Höhe erreicht. Sie ist wild relativ selten und gilt als Baum der mittleren Gebirgslagen. Der anfangs rötlich-braune Stamm entwickelt später eine dunkelgraue Borke mit feinen Rissen und Furchen. Herzförmige, behaarte Blätter von variabler Größe sitzen wechselständig auf behaarten Stielen und sind scharf gesägt. Zwittrige süßlich duftende Blüten hängen zu dritt bis viert in Trugdolden und entwickeln kugelige Nüsschen mit fünf Rippen, die dicht behaart sind und bis zu einem Zentimeter groß werden.

Die Sommerlinde hat ein enger begrenztes Areal als die Winterlinde (Tilia cordata). Sie bevorzugt feuchte, nährstoffreiche und tiefgründige mehr oder weniger neutrale Böden und ist kalkliebend. Ihre erbsengroßen Nußfrüchte werden aufgrund des charakteristischen Hochblatts, das als „Flugorgan“ dient, durch den Wind vertragen. Es rotiert, wenn die Früchte abfallen, und vermindert dadurch die Sinkgeschwindigkeit. Somit erhöht es die Ausbreitungsweite der Samen. Linden werden häufig sehr alt, was viele Baumdenkmäler in Deutschland zeigen. Bei den Germanen galten die Linden als Freiheitsbaum. Sie wurden oft an ihren Thingplätzen gepflanzt, wo Recht gesprochen wurde. Die Linde galt als Symbol der Göttin Freya und Sinnbild für Fruchtbarkeit, Mütterlichkeit, Herzlichkeit und Güte. Der Volksmund behauptet, dass Linden „dreihundert Jahre kommen, dreihundert Jahre stehen und dreihundert Jahre vergehen“. Selbst uralte, hohle Linden entwickeln manchmal noch eine erstaunliche Vitalität. Das Geheimnis ihrer Langlebigkeit sind neu gebildete Innenwurzeln, die vom greisen Stamm aus in Richtung Boden wachsen, sich dort verankern und eine junge Krone bilden, wenn der alte Baum abstirbt. Die Linde verjüngt sich also sozusagen von innen. Als Heilmittel wurde die Lindenblüte schon lange und wird auch heute noch mit gutem Erfolg verwendet. Sie zählt zu den bekanntesten Hausmitteln. Ihre Wirksamkeit wird durch die Erfahrung in der Hausmedizin belegt, andere Wirksamkeitsstudien für die Lindenblüte selbst fehlen. Erst im 17. Jahrhundert hat man offenbar die schweißtreibende Wirkung des Lindenblütentees entdeckt, der noch immer als Heilmittel eingesetzt wird. Die Linde gibt es auch als Winterlinde. Die Sommerlinde ist die am weitesten verbreitete Art.